landshuter zeitung | donnerstag, 20. oktober 2011

Bauen für mehrere Generationen

Programm von Architektur + Kunst befasst sich mit neuen Wohnformen 

Das Herbstprogramm des Vereins Architektur + Kunst steht unter dem Motto „Kooperatives Bauen“. Damit trägt der Verein einer Entwicklung Rechnung, die sich auch in Landshut abzeichnet. „In letzter Zeit gibt es verstärkt neue Wohnformen, für die sich Menschen zusammenschließen und gemeinschaftlich bauen“, sagt Vereinsvorsitzender Ralph Kulak. 

Ähnlich wie zu Zeiten der Wohnungsnot nach dem Krieg rücke dabei das genossen-
schaftliche Bauen in den Mittelpunkt. Gut wohnen zu günstigen Mieten, dafür tun sich
heute oft ältere und junge Menschen zusammen oder auch mal ausschließlich
Frauen. „Durch eine Geldeinlage erwirbt man einen Anteil und hat dann lebenslanges
Wohnrecht“, erklärt Kulak das Genossenschaftsprinzip. Die Bewohner zahlen Miete, die sich im Lauf der Zeit jedoch verringert, weil das Objekt dann abbezahlt ist. Als Bauherren
können sich die Genossenschaftsmitglieder überlegen, wie sie bauen wollen, welche Bedürfnisse die Wohnung im Alter erfüllen muss und wie die Gemeinschaft in den
Räumen gepflegt werden kann.
Ansätze für solche neuen Wohnformen gibt es auch in Landshut. „Hier tut man sich damit noch schwer“, sagt Kulak. Die Stadt könne sie mit der Ausweisung entsprechender Grund-
stücke unterstützen.
Im Rahmen des Herbstprogramms von Architektur + Kunst hat der Architekt Rainer Hofmann von Büro bogevischs buero, München gestern im „kleinen Theater“ seinen Werkbericht „Gemeinsames Entwerfen“ vorgestellt. Darin beschrieb er, wie er als Architekt mit einer 50-köpfigen Bauherren-Gruppe zurechtkam, um ein gemeinsames Konzept zu verwirklichen.
Bei einer zweitägigen Exkursion des Vereins nach Zürich an diesem Wochenende geht es laut Kulak um qualitätvolles Bauen in Städten. „Wir schauen über den Tellerrand hinaus, was woanders passiert.“
Am 26. Oktober um 17 Uhr steht die Besichtigung eines konkreten Projekts an, das ideale Voraussetzungen für ein generationenübergreifendes Zusammenleben bietet: Der Verein schaut sich das Wohnhaus der Familien Paßberger/Maulu am Veichtederpointweg bei einer Führung durch Architektin Barbara Anetsberger an. Stefan Laubner vom Freisinger Büro A2-Architekten behandelt am Mittwoch, 16. November, um 20 Uhr im „kleinen Theater“ das Projekt „wagnis – gemeinschaftliches planen und wohnen“ in einem Vortrag.
Eine laut Kulak sehr gelungene Diplomarbeit über eine mögliche Nutzung des ehemali-
gen Landshuter JVA-Geländes von Severin Oswald wird am 23. November um 20 Uhr im „kleinen Theater“ vorgestellt. „Demnach wäre dort ein Hotel und eine Stadthalle vorge-
sehen“, sagt Kulak. „Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass die Stadt definiert, was sie an diesem Standort haben will.“ Das dürfe nicht nur den Investoren überlassen bleiben. Architektur + Kunst wolle sich schließlich schon im Vorfeld geplanter Projekte einbringen, betonte Kulak. Sein Fazit: „Wir müssen nach Formen suchen, mit denen nicht nur alles zugebaut wird.“
-rn-

Bildnachweis: Ein Beispiel für generationenübergreifendes, gemeinschaftliches Bauen besichtigt der Verein Architektur + Kunst am Veichtederpointweg. (Foto: rn)

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