landshuter wochenblatt | freitag, 07. oktober 2011

Architektur und Kunst stellt neue Wohnformen vor

„Wir brauchen Leute, die sich trauen” 

Ein spannendes Thema hat sich der Verein Architektur und Kunst für sein Herbstprogramm ausgesucht. Wie der Vorsitzende Ralph Kulak und sein Vize Thomas Neumeister bei einer Pressekonferenz berichteten, wollen sie das genossenschaftliche Wohnen auf die Agenda setzen. 

„Es gibt einen Mittelweg zwischen Mietwohnung und Eigenheim”, sagte Kulak. Allerdings sei diese Alternative, eben das genossenschaftliche Wohnen, in Landshut „nicht in nennenswertem Umfang” etabliert, ergänzte Neumeister.

Eine charmante Fomulierung, denn tatsächlich sieht es so aus, als ob die niederbayerische Hauptstadt nicht nur in der planerischen Praxis, sondern allein schon vom gedanklichen Ansatz her momentan weit davon entfernt ist, hier irgendwelche Maßstäbe zu setzen. Aber was nicht ist, könnte ja noch werden, und so wird Architektur und Kunst in den nächsten Wochen missionarisch tätig – und holt renommierte Experten zu Gastvorträgen ins kleine Theater.

Los geht’s bereits am Mittwoch, 12. Oktober, 20 Uhr, mit dem Abend „Kooperatives Bauen – ein neuer Weg; anders bauen – anders wohnen”. Als Gäste referieren der Architekt Michael Kroll von der Regensburger NaBau und Elisabeth Gerner von dem Projekt Frauen Wohnen in München. Eine Woche später – am Mittwoch, 19. Oktober – spricht der Architekt Rainer Hofmann von Bogevischs Büro aus München über „Gemeinschaftliches Entwerfen”.

„Wir brauchen neue Wohnformen”, betonte Kulak. „Und wir brauchen Leute, die sich trauen”, in genossenschaftliche Projekte einzusteigen. Zugleich sei aber auch die Stadt „ganz stark gefordert”, entsprechende Zeichen zu setzen, sei es bei der Ausweisung von Bauland oder bei der Sanierung einzelner Objekte.

Allerdings müsse man sich dabei lösen von der Vorstellung, Wohnraum nur unter dem Aspekt maximalen Profits schaffen zu können. „Nachhaltiges Bauen und nachbarschaftliches Wohnen” ist etwa der Slogan, den sich die NaBau in Regensurg auf die Fahne geschrieben hat. Soziale und ökologische Gesichtspunkte spielen eine entscheidende Rolle.

Unterdessen ist der Verein Architektur und Kunst natürlich nicht auf eng abgestecktem Terrain tätig. Was sowohl thematisch als auch geographisch gilt. So stellt im Rahmen des Herbst-Programms Severin Oswald seine hoch gelobte Diplom-Arbeit zur Neuordnung des alten JVA-Geländes vor (23. November), und am Wochenende 21./22. Oktober packt der Verein die Koffer und fährt für zwei Tage nach Zürich, um sich „Neue Architekturen und Parkanlagen” an diesem sehr vitalen Standort anzusehen – und womöglich etwas Inspiration mitzubringen ins heimische Landshut.

Autor und Fotograf: Michael Stolzenberg