guten morgen landshut | samstag, 26. märz 2016

„Wir müssen mit Grund und Boden völlig anders umgehen!“ –

Experte Ulrich Kriese zu Gast bei Architektur und Kunst

 

„Wem gehört der Boden, wem gehört die Stadt?“ Der Titel des Vortrags von Ulrich Kriese, Umweltwissenschaftler und Landschaftsplaner, lockte gut 40 Besucher zur Veranstaltung des Vereins Architektur und Kunst. Die aktuelle Vortragsreihe des Vereins befasst sich aus verschiedenen Blickwinkeln mit dem Thema Wohnen und soll dazu beitragen, Grundlagen für eine fachbezogene Diskussion über die Ziele der Stadtentwicklung in Landshut zu liefern.

Kriese konnte in seinem Vortrag den Besuchern – unter ihnen die Landtagsabgeordnete Rosi Steinberger, die OB-Kandidaten Stefan Gruber und Patricia Steinberger sowie die Stadträte Hedwig Borgmann und Bernd Friedrich – spannende und interessante Ansätze einer alternativen Bodenpolitik und damit verbundenen Siedlungsentwicklung vermitteln. „Wir müssen mit Grund und Boden völlig anders umgehen“, so die klare Botschaft Krieses, Mitinitiator und Mitglied in diversen Boden-Stiftungen in der Schweiz.

Die begrenzte Ressource Land zähle heute zu den begehrtesten Anlagegütern. Bodenpreise stiegen in bisher ungekannte Höhen, bezahlbarer Wohnraum werde immer knapper, die öffentliche Hand verkaufe (allzu) häufig ihre Liegenschaften. Eine gewinnorientierte Verwendung von Grund und Boden führe oft zu Konflikten mit dem Schutz von Natur und Umwelt und den Bedürfnissen künftiger Generationen, was früher oder später Kosten aufwerfe, die von der Gesellschaft getragen werden müssten. Viele Bodeneigentümer würden auf Bodenwertsteigerungen spekulieren und damit Grundstücke einfach „liegenlassen“, während sinnvolle Projekte nicht verwirklich werden könnten.

Der Referent benannte den Schlüssel zur Problemlösung: die Trennung zwischen Boden und Bodennutzung. Eine solche Trennung würde zu neuen sozialen Bewegungen, alternativen Eigentumsformen, alternativen Formen der Besteuerung sowie der verstärkten Anwendung des Erbbaurechts führen.

Kriese konnte anhand einiger Beispiele der Schweizer Stiftung Edith Maryon anschaulich erläutern, wie der gesellschaftliche Nutzen von Grund und Boden maximiert werden könne und damit sozial nützliche und wertvolle Projekte möglich seien. Die Stiftung Maryon übernimmt Liegenschaften durch Kauf oder Schenkung und stellt sie den Nutzern langfristig und sozial verträglich zur Verfügung. Es konnten bereits mehrere Wohnprojekte, aber auch Arbeits- und Künstlerprojekte erfolgreich gestartet und durchgeführt werden.

Der Referent ging ausführlich auf das Thema Erbbaurecht ein, was auch für die Kommune eine interessante Alternative zum Verkauf von Grundstücken sein könne. So habe man langfristig wiederkehrende Einnahmen durch Erbbauzins, könne aber gleichzeitig einen Beitrag leisten, Wohneigentum für weniger Kapital zu ermöglichen. Im Schweizer Kanton Basel Stadt erzielte die Neue Bodeninitiative, von Ulrich Kriese mitgegründet, Ende Februar einen vielbeachteten Erfolg: 67 Prozent der Basler votierten bei einer Abstimmung für das Kernanliegen der Initiative, demzufolge der Kanton sein Land nicht mehr verkaufen soll: Verkäufe sind nur möglich, sofern sie über Landzukäufe ausgeglichen werden.

Zu guter Letzt plädierte der Referent eindringlich für eine Reform der Grundsteuer, die ebenso Grundlage für eine andere Bodenpolitik sei. Die derzeitige Grundsteuerpolitik leiste keinen Anreiz zu einer Mobilisierung von Grundstücken. 

Bei den letzten beiden Vorträgen des Vereins zum Thema Wohnen wird zunächst am Mittwoch, 27. April, Architektin Roswitha Näbauer vom Münchner Büro „Zwischenräume“ Beispiele neuer Wohnformen zeigen – u.a. auch das erste gemeinschaftliche Wohnprojekt Landshuts der GeWoSchoen im Baugebiet Schönbrunner Wasen. Am Mittwoch, 4. Mai, wird schließlich Geschäftsführer Günther Krailinger in seinem Vortrag die Städtische Wohnungsbaugesellschaft Straubing vorstellen. Die beiden Veranstaltungen finden jeweils um 20 Uhr im Kunstverein Landshut in der Herrngasse statt.

http://www.gumola.de/wir-muessen-mit-grund-und-boden-voellig-anders-umgehen-experte-ulrich-kriese-zu-gast-bei-architektur-und-kunst-landshut/